Nach zwei Tagen voller Natur, Bewegung und Engadiner Bergluft stand am Montag etwas ganz Besonderes auf dem Programm: ein kreativer Workshop in Samnaun. Statt Wanderschuhen einmal Meissel, Holz und Bronze â und ein Blick hinter die Kulissen eines KĂŒnstlers, der sein Handwerk nicht nur beherrscht, sondern lebt: Helmut Tschiderer.
Schon die Fahrt nach Samnaun ist beeindruckend. Das enge Tal öffnet sich langsam, die schroffen Felsen weichen sanften HĂ€ngen, und ĂŒber allem liegt an diesem Morgen das klare Licht eines sonnigen Herbsttages bei frischen 11 Grad. Genau richtig, um den Kopf frei zu haben fĂŒr Inspiration.
Ankommen in Helmuts Werkstatt â Ein Ort voller Geschichte
Die Werkstatt von Helmut Tschiderer fĂŒhlt sich an wie eine eigene Welt. Ăberall stehen Holzskulpturen, kleine Bronzefiguren, rohe Marmorklötze und Werkzeuge, deren Griffe vom Gebrauch glattpoliert sind. Nichts wirkt zufĂ€llig â jedes Material, jede Maserung, jedes StĂŒck Stein scheint schon eine Geschichte in sich zu tragen.
Schon nach wenigen Minuten wird klar: Helmut ist nicht einfach ein Kunsthandwerker, sondern ein leidenschaftlicher ErzĂ€hler. WĂ€hrend er uns in die Grundlagen des Schnitzens einfĂŒhrt, erzĂ€hlt er von der Entstehung seiner Werke, von Ideen, die aus dem Alltag wachsen, und von der Ruhe, die man braucht, um Formen im Material zu erkennen.
Holz schnitzen â Formen, SpĂ€ne und die Kraft des Materials
Der Vormittag beginnt mit Holz. Das Messer in der Hand, das erste vorsichtige Abnehmen der SpĂ€ne, das Knacken des Materials â ein wunderbar meditativer Moment. Bald entsteht der typische Duft von frischem Holz, warm und harzig, und die Werkstatt fĂŒllt sich mit rhythmischem Schaben.
Helmut zeigt geduldig, wie man Linien setzt, wie man dem Holz folgt statt dagegen zu arbeiten, und wie jede Form ihren eigenen Verlauf findet. Plötzlich erkennt man im Block nicht mehr nur ein StĂŒck Holz, sondern eine Idee, die langsam hervorkommt.
Bronzeguss â Wenn Feuer Kunst erschafft
Beim Bronzeguss wird es dann richtig spannend. Helmut erklĂ€rt den gesamten Prozess: vom Modell ĂŒber die Form bis zum Guss selbst. Auch wenn wir nicht den kompletten Ablauf durchlaufen, lĂ€sst er uns spĂŒren, wie viel PrĂ€zision, Wissen und Respekt vor dem Material dazugehört.
Das flĂŒssige Metall, das beim Guss kurz aufleuchtet, hat etwas Magisches. Man versteht sofort, warum Bronze eines der Ă€ltesten Materialien der Kunstgeschichte ist â und warum es Helmut so fasziniert.
Marmor bearbeiten â Vom Rohstein zum Objekt
Zum Abschluss geht es an ein weiteres uraltes Material: Marmor. Hart, kĂŒhl, zunĂ€chst widerspenstig. Aber sobald Meissel und Hammer im Takt arbeiten, gibt der Stein nach â ganz langsam, aber spĂŒrbar.
Helmut zeigt uns Stellen, an denen Fossilien eingeschlossen sind, Linien, die man beim Bearbeiten beachten muss, und wie aus einer groben FlĂ€che allmĂ€hlich eine glatte Form entsteht. Jeder Schlag wird bewusster, konzentrierter. Marmor zwingt zur Geduld â und genau das macht die Arbeit daran so besonders.
Ein Vormittag voller KreativitÀt und Geschichten
Was diesen Workshop unvergesslich macht, sind nicht nur die Materialien oder die Techniken, sondern die Kombination aus Handwerk, persönlicher AtmosphÀre und den Geschichten, die Helmut zu seinen Werken erzÀhlt. Jedes Objekt hat seinen Ursprung, jedes Detail einen Sinn.
Zum Schluss nehmen wir nicht nur kleine eigene Werke mit, sondern vor allem das GefĂŒhl, etwas UrsprĂŒngliches erlebt zu haben: das Gestalten mit den HĂ€nden. Ein Gegenpol zur oft schnellen digitalen Welt â und genau deshalb so wertvoll.
Die Sonne steht inzwischen hoch, Samnaun leuchtet hell im Herbstlicht, und wir verlassen die Werkstatt mit mĂŒden Fingern, warmen Herzen und einer neuen WertschĂ€tzung fĂŒr Holz, Stein und Metall.
















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